Echzell and Darmstadt, Germany
November 15, 2014
Kultursaat wurde 1994 – damals noch unter dem Namen „Verein zur Förderung der biologisch-dynamischen Gemüsesaatzucht“ – bei der Demeter-Gärtnerei Willmann in Vaihingen/Enz (nahe Stuttgart) gegründet. Die Praktiker sahen bereits damals die zunehmende Monopolisierung am Saatgutmarkt wie auch die Dominanz der Hybridsorten kritisch und schlossen sich zusammen, um eine nachhaltige und eigenständige Alternative aufzubauen. Viele der Kultursaat-Gründer, neue Züchter sowie zahlreiche Gäste von befreundeten Organisationen kamen am Wochenende zusammen, um das 20-jährige Jubiläum zu feiern.
Auch Demeter-Vorstand Alexander Gerber war unter den Gratulanten und würdigte die Pionierleistungen und Erfolge der biologisch-dynamischen Pflanzenzüchtung. Gleichzeitig betonte er, dass die Kulturpflanzenentwicklung für den gesamten Ökolandbau weiter ausgebaut werden müsse. Dazu seien aber bessere politische Rahmenbedingungen notwendig: „Die Saatgutgesetzgebung ist über ihren ursprünglichen Zweck, Verbraucher vor Betrug zu schützen, heute mit unverhältnismäßigen Detailregeln weit hinaus gewachsen. Dies führt zu teils unüberwindbaren Hürden für die zukunftssichernde ökologische Pflanzenzucht. Demeter setzt sich daher für eine Verbesserung der Zulassungsbedingungen ökologisch gezüchteter Sorten ein.“
Unter dem Dach von Kultursaat sind bereits etwa 70 samenfeste Gemüse-Neuzüchtungen entstanden, deren Saatgut u.a. über die Bingenheimer Saatgut AG zur Verfügung steht und zwar sowohl Erwerbs- als auch Hobbygärtnern. Die biodynamischen Züchter haben auch die Arbeit des Demeter-Verbandes geprägt, und so hat Demeter als erster Bio-Verband bereits 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung erlassen und zertifiziert biodynamisch gezüchtete Sorten bei Gemüse und Getreide. Auch überverbandlich engagiert sich Demeter zu Fragen
wie der nachhaltigen Finanzierung der Züchtung und der Diskussion von Züchtungstechniken im ökologischen Landbau.
Der biodynamischen und ökologischen Pflanzenzüchtung kommt nach Demeter-Einschätzung eine Schlüsselrolle zu, um dauerhaft Geschmacks-Vielfalt und Unabhängigkeit von Saatgut- Multis zu ermöglichen. Zudem sind vitale, fruchtbare Sorten auch ein wichtiges Instrument, um den Folgen des Klimawandels mit Starkregenfällen, Trockenheit, Schädlings- und Krankheitsdruck angemessen zu begegnen. Die Wahrung der Integrität der Pflanze und Transparenz in der Sortenentwicklung stehen für die Biodynamiker an oberster Stelle. So entwickeln und erhalten sie Sorten als Kulturgut und in der Verantwortung von Bauern und Gärtnern.